Ein Aufsatz von unserem Mitglied Dr. Hans Peter Stamp
Schon mehrfach habe ich mich mit den Ahnen Karls des Großen beschäftigt. So habe ich für die Homepage der AGGSH den Aufsatz "Waren die Karolinger auch Merowinger?" geschrieben. Da ging es um die verbreitete Meinung, die Karolinger hätten sich aus der Position der Hausmeier, also der Verwalter des Königshofs, langsam empor gearbeitet, und die Merowinger schließlich von der Macht verdrängt. In dem Aufsatz konnte ich zeigen, dass der erste Karolingerkönig ebenso oft von Merowech abstammte wie der letzte Merowingerkönig. Karl Martell, der Großvater Karls des Großen, war also kein Emporkömmling.
Diese Erkenntnis hat mir keine Ruhe gelassen. Und so forschte ich weiter über die Ahnen der Karolinger. Meine Quellen fand ich in der genealogischen Literatur. Einige dieser Quellen sind unter Historikern umstritten. Darüber habe ich mich hinweggesetzt. Mir ging es um ein Gesamtbild, das unter Genealogen Anerkennung findet.
- Ja, zwölfmal hatte Karl den ersten Merowingerkönig Merowech unter seinen Vorfahren.
- 300 Jahre früher: 64-mal stammte Karl der Große von Chlodomir IV (104 - 166), dem König von Westfranken ab.
- Von Leutfried, dem Herzog der Alemannen, stammte Karl nur einmal ab.
- Von Tassilo Herzog von Bayern stammte er zweimal ab.
- Dreimal von Gaius Julius Sohämus, Fürst von Emesa im heutigen Syrien.
- Ebenfalls dreimal von Gisulf von Friaul, Herzog der Langobarden.
- Und auch dreimal von Ferreolus Senator von Narbonne.
- Fünfmal von dem Westgotenkönig Alarich I.
- Sechsmal von Brogitaros, König von Galatien.
- Achtmal von dem König Artaxias von Armenien.
- Neunmal von dem Langobardenkönig Lethuc.
- Neunmal vom dem König der Gepiden Ardarich.
- 12-mal von Mithridates VI, König von Pontus in Kleinasien.
- 12-mal von Amyntas, Tetrarch der Tectosagen in Gallien, aus denen später die Gallater in Kleinasien hervorgingen.
- 16-mal von Antiochus IV von Syrien, dem König des Seleukidenreichs.
- 17-mal von Gundahar, dem König der Burgunder.
- 17-mal von Diokles III Hagnousios, attischer Adliger und Priester in Athen.
- 22-mal von Ariobarzanes I., König von Kappadokien.
- 25-mal von dem Westgotenkönig Athanarich.
- 34-mal von Antiochus III, König von Kommagene in der heutigen Südosttürkei
- 42-mal von Croilus, König von Britannien
- Und sogar 140-mal von Marcomir, König von Toxandrien, ein Stammesgebiet in Brabant, das später zum Siedlungsgebiet von Westfranken wurde.
- Während andere Völker um sie herum wanderten, blieben die Thüringer lange Zeit in ihrem Stammgebiet. Ihren König Hoger finden wir 42-mal unter Karls Ahnen.
- Überraschend ist, dass Karl sogar mehrfach von dem Hunnenkönig Attila abstammte, nämlich neunmal.
- Achtmal hatte er den Gründer des Vandalenreichs in Nordafrika, König Geiserich, unter seinen Vorfahren.
- Der italienische König Theoderich der Große war Ostgote und eine der ganz großen Persönlichkeiten der Geschichte. Die Tatsache, dass Karl der Große zehnmal von ihm abstammt, trägt sicher dazu bei, Karls Abstammung in einem veränderten Licht zu sehen.
- Karl war der erste römische Kaiser neuerer Rechnung. Aber auch die alten römischen Kaiser finden wir unter seinen Ahnen. Der erste von ihnen war der wohl auch bekannteste, Kaiser Augustus. Ihn fand ich neunmal unter Karls Ahnen, davon sechsmal über seinen Großvater Karl Martell. Wenn der erste Karolingerkönig sechsmal vom ersten römischen Kaiser abstammt, sollte man die Version vom empor gekommenen Hausmeier streichen.
- Dreimal vom Römischen Kaiser Claudius Constantinus Gallus Flavius.
- 17-mal von Kaiser Gordianus.
- Sogar 52-mal stammte Karl von dem römischen Kaiser Tiberius Claudius Nero ab, besser bekannt als Kaiser Claudius.
- Später gab es zwei römische Kaiser gleichzeitig, im Westreich und im Ostreich. Und auch im Ostreich hatte Kaiser Karl Wurzeln, Von Kaiser Theodosius I stammte er achtmal ab und vom
- Oströmischen Kaiser Valentinian ebenfalls achtmal.
- Es kommen viele berühmte Römer hinzu, z.B. dreimal von Calpurnius Piso Frugi Liciniasius Lucius, römischer Senator und berühmter Literaturmäzen.
- Dreimal von Cornelius Salvidienus Orfitus Servius, römischer Senator.
- Ebenfalls dreimal von dem römischen Konsul Marcellinus d.J. Antonius.
- Achtmal stammte Karl ab von Flavius Sulpicianus Dorion d. Ä. einem Ahnherrn mehrerer geschichtlich bedeutender Römer.
- Neunmal von Domitius Corbulo Gnaeus, römischer Senator. Er galt als der bedeutendste Feldherr seiner Zeit.
- Zwölfmal von Appalius Alfinus Secundus Titus, einem hohen römischen Offizier
- Zwölfmal von Fulvius Rusticus Aemilianus Lucius, einem römischen Senator und Statthalter in Galatien.
- Sogar die letzte Pharaonin, Königin Kleopatra VII von Ägypten, kommt dreimal unter Karls Ahnen vor.
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Zum 500. Geburtstag von Heinrich Rantzau, der am 11. März 1526 geboren wurde, veranstaltet die AGGSH eine Exkursion nach Bad Segeberg. Unser Mitglied Dr. Hans Peter Stamp kann selbst nicht teilnehmen, hat das Jubiläum jedoch zum Anlass genommen, eine Ahnenliste und mehrere Nachkommenlisten von Heinrich Rantzau anzufertigen. Die Ahnenliste reicht bis in die Zeit der Karolinger. In den acht Nachkommenlisten seiner acht Kinder finden sich neben dem König von Spanien auch bürgerliche Familien aus Dörfern unserer Heimat.
- Ahnentafel von Heirich Rantzau (1526-1598)
- Nachkommen von Franz Rantzau (1555- )
- Nachkommen von Breide Rantzau (1556-1618)
- Nachkommen von Gert Rantzau (1558-1627)
- Nachkommen von Magdalene Rantzau (1559- )
- Nachkommen von Catharina Rantzau (1563- )
- Nachkommen von Öllegard Rantzau (1565- )
- Nachkommen von Margarethe Rantzau (1566- )
- Nachkommen von Elisabeth Rantzau (1567- )
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Ein Aufsatz von unserem Mitglied Dr. Hans Peter Stamp
1977 erschien im Verlag Degener das Buch „Caroli Magni Progenies“ von Siegfried Rösch, ein statistisches Werk über die Nachkommen Karls des Großen. Rösch war ab 1933 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Firma Leitz in Wetzlar gewesen, wo er an der Entwicklung der berühmten Kleinbildkamera Leica beteiligt war. 1937 wurde er Privatdozent und war schließlich von 1942 bis 1965 Professor für Mineralogie an der Universität Gießen. Mit seinem genalogischen Buch bewegte er sich also außerhalb seiner eigenen Fachrichtung. Genealogisch stütze er sich in erster Linie auf Erich Brandenburg und Karl Ferdinand Werner, auf die Isenburgschen Tafeln und auf das Werk von Winkhaus. Die mathematischen Kenntnisse besaß er jedoch selbst und entwickelte damit einen neuen Gedankengang.
Er untersuchte die Häufigkeit des Vorkommens Karls des Großen (CM) in Ahnenlisten. Konkret führte er dies vor am Beispiel des Kaisers Maximilian (1459 - 1519). Unter den Ahnen Maximilians fand er CM in der 20. Generation zweimal, und in der 31. Generation 16mal. In den dazwischen liegenden Generationen fand er ihn häufiger, mit 1948mal am häufigsten in der 25. Generation und insgesamt 7929mal. Er zeigte sich überrascht von der Höhe dieser Zahl, kam aber zu dem Schluss, dass eine solche Zahl bei Dynasten wohl keine Seltenheit sei. Gleichzeitig schrieb er aber auch, dass es um eine Mindestzahl gehe, die durch spätere Forschungen überboten würde. Er war sich natürlich darüber im Klaren, dass mit den damaligen Mitteln eine vollständige Erfassung nicht möglich war.
Heute haben wie es besser und können zeigen, dass die tatsächlichen Zahlen bedeutend höher liegen. Wir wissen aber auch, dass die Arbeit von Rösch gleichwohl ein gewaltiges Werk war, da ihm damals zwei wichtige Hilfsmittel fehlten, ein modernes Ahnenforschungsprogramm wie z.B. PAF, Ahnenblatt oder FTM und das System Excel. Mit PAF und Excel habe ich die CM-Häufigkeit für Maximilian mit 59367 neu ermittelt. Für einen ungefähren Zeitgenossen von Maximilian, den dänischen König Friedrich I. (1471 - 1533) waren es 54444. Ich hätte die Sache ohne die beiden Hilfsmittel nicht gewagt.
Neuere Erkenntnisse gibt es auch bei der Breite des Betrachtungsfeldes: das Bild von dem erloschenen Königsgeschlecht der Merowinger und den angeblich als Hausmeier empor gekommenen Karolingern bedarf einer Korrektur. Am deutlichsten wird das, wenn man den letzten Merowingerkönig Childerich III. und den ersten Karolingerkönig Pippin genealogisch vergleicht. Childerich III. stammte nach meinen bisherigen Forschungen viermal von dem ersten Merowingerkönig Merowech ab. Bei Pippin war es aber ebenso. Die Ahnenschaft von Emporkömmlingen sieht anders aus. Er war genetisch ebenso Merowinger wie sein Vorgänger.
Sein Sohn Karl der Große stammte sogar insgesamt zehnmal von Merowech ab, wie eben gesehen viermal über Pippin, dazu sechsmal über dessen Ehefrau Bertrada. Hinzu kommt, dass Zeitgenossen Karls ebenfalls Nachkommen des ersten Merowingerkönigs waren, nicht nur seine Geschwister, nein, etliche weitere. Diese Erkenntnis veranlasste mich dazu, für den Kaiser Maximilian nicht nur die Häufigkeit seiner Abstammung von Karl dem Großen neu zu ermitteln, sondern auch die von König Merowech zu untersuchen. Für Merowech waren es allein über Karl natürlich die erwähnten 59367 mal 10 = 593670. Aber Maximilian hatte auch über etliche Zeitgenossen Karls Verbindung zu Merowech. Und so fand ich für Maximilian, dass er 1905680 mal von dem ersten Merowingerkönig abstammte, also fast zwei Mio. mal. Diese Zahl stammt aus der Hochrechnung einer Stichprobe in Größe von 20% der Grundgesamtheit. Die Stichprobe wurde exakt ausgezählt ebenso wie die Gesamtzahl der CM-Häufigkeit.
Die von Rösch ermittelten Zahlen und spätere höhere Zahlen kommen uns hoch vor, gleichwohl ist ihre biologische Bedeutung gering. In der 20. Generation fand Rösch bei Maximilian zweimal CM. Wir alle haben in der 20. Ahnengeneration 220 Vorfahren also 1048576. Zwei davon, das ist nicht viel. Und selbst die 1948 in der 25. Generation sind nicht besonders viel; 33554432 Vorfahren haben wir in der 25. Generation. Teilt man diese Zahl durch 1948 ergeben sich 17225, also 1 : 17225. Das ist weniger als ein Vorfahr in der 14. Generation. Obwohl ich seit über 50 Jahren Familienforschung betreibe, kenne ich von den 16384 Vorfahren meiner 14. Generation nur sieben mit Namen, einer in der 14. Generation ist also wirklich wenig.
Ein weiterer Zeitgenosse von Maximilian von Habsburg war der Ritter Philipp IV. von Frankenstein von der Lieblingsburg der Amerikaner. Ein unehelich geborener Enkel von ihm verschafft mir die Freude, auch zu den Nachkommen von CM zu gehören, da Philipp 2100mal CM unter seinen Vorfahren hatte. Nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung habe ich damit aber mit großer Sicherheit kein einziges Gen von dem großen Kaiser, biologisch ist die Sache für mich also bedeutungslos. Für die Geschichtsforschung müssten meine Untersuchungen aber einiges an Neuigkeiten gebracht haben.
Siehe auch: Deutsche digitale Bibliothek mit Link zum Inhaltsverzeichnis des Buches
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Mitbringsel für jeden Geburtstag von Hans Peter Stamp
40 Jahre lang – von 1983 bis 2022 – erschienen im Bauernblatt für Schleswig-Holstein wöchentlich Ereignisse aus der schleswig-holsteinischen Geschichte als Kolumne, insgesamt ca. 2.000 jeweilige Jubiläen der Woche. Die Ereignisse stammten aus einer Excel-Datei von Hans Peter Stamp, die während dieser Zeit ständig wuchs und jetzt einen Umfang von fast 15.000 Ereignissen hat. Die meisten Ereignisse sind also noch unveröffentlicht, und das Excel-System ermöglicht jede beliebige Sortierung nach Daten.
Hans Peter Stamp hat diese Datei jetzt der AGGSH für deren Homepage zur Verfügung gestellt. Dort befindet sie sich im Mitgliederbereich, ist also von den Mitgliedern der AGGSH jederzeit zu erreichen. Wer z.B. eine Geburtstagseinladung vorliegen hat, findet dort weitere wichtige Ereignisse, mit denen er dem Jubilar eine Freude machen kann; für jeden Tag des Jahres durchschnittlich 40 Ereignisse, nur für den 29. Februar naturgemäß weniger, nur 12.
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3. November 2026: Unsere Internetseite ist wieder online